Meine zweite Familie

Es war Sommer und ich hatte gerade die Wirtschaftsschule abgeschlossen; bereit, die Welt zu erobern. Nach umfangreicher Planung stand fest, dass ich nach England gehen würde, um ein Praktikum zu machen. Ich war 19 Jahre alt und hatte nie zuvor mehr als eine Woche von meiner Familie getrennt verbracht. Ich fühlte mich bereit dafür, hatte aber keine Vorstellung, worauf ich mich eingelassen hatte.
Wahrscheinlich war ich auch ein wenig zu selbstsicher, denn plötzlich war ich allein! Zum ersten Mal musste ich wirklich Verantwortung übernehmen. Ich musste an so vieles denken: aufstehen, kochen und das schlimmste von allem war meine eigene Wäsche zu waschen, was ich nie zuvor machen musste. Ich fühlte mich anfangs ganz schön verloren.
Aber ich lag falsch. Ich war nicht allein. Hier ist man rund um die Uhr mit anderen Leuten zusammen – man arbeitet und lebt mit ihnen. Natürlich hat es seine Vor- und Nachteile, so eng miteinander zu leben. Aber es gab mehr gute als schlechte und viele einzigartige Momente. Das Beste ist, dass ich hier meine zweite Familie gefunden habe. Ich habe die Erfahrung gemacht, wie es ist, Menschen kennen zu lernen, die sich ernsthaft um mich sorgen und für mich da sind.
Auch wenn ich versuche, stark und fröhlich zu erscheinen, dann waren die Gefühle einer 19-jährigen, die weit weg von ihrer Familie ist, manchmal doch sehr stark. Immer wenn mich diese Gefühle überkamen, musste ich nur um mich herum schauen und sah all diese erstaunlichen Menschen, die immer versucht haben, mich aufzumuntern. Durch sie nenne ich diesen Ort „Zuhause.“
Hier allein zu sein ist fast unmöglich, aber es ist genau das, was es so besonders macht. Wir haben so viele Momente gemeinsam erlebt, sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit, wenn wir großartige Ausflüge gemacht haben und die spaßigsten Partys hatten. Sogar in meinem Zimmer war ich nie lange allein. Immer hat jemand (oder auch mehrere Leute) an meiner Tür geklopft um zu schwatzen, herumzualbern, um Hilfe zu bitten oder einfach nur um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.
Hier habe ich gelacht und geweint. Ich war glücklich und auch traurig. Ich habe mich stark aber auch schwach gefühlt. Eines aber ist sicher: Ich bereue nichts.
Meine Zeit hier geht nun zu Ende. Diesen Ort und die Menschen zu verlassen wird sehr schwierig. Sie sind Teil meines Lebens. Jeder einzelne hat mir etwas mit auf den Weg gegeben und ich habe so viel von ihnen allen gelernt. Ich bin wirklich dankbar für diese Erfahrung und für all die Menschen, die ich treffen konnte. Ich werde New Romney niemals vergessen sowie all die unglaublichen Menschen, die immer einen Platz in meinem Herzen haben werden.

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