Internship-UK: wo ich mich selbst wieder fand

Ich habe die letzten sechs Monate ein Praktikum in New Romney, einer Kleinstadt an der englischen Südküste, absolviert. Mein Ziel war es, mein Englisch zu verbessern. Und das war auch das Einzige, was ich vom Praktikum und von den anderen Praktikanten erwartete. Doch am Ende lernte ich noch viel mehr…
Bevor ich hier ankam, hatte ich immer sehr viel zu tun. Ich studierte, hatte zwei Jobs und arbeitete bei drei ehrenamtlichen Vereinen, wo ich viele Aufgaben hatte und viele Menschen sich auf mich verließen. Letzten Sommer habe ich das alles aufgegeben und bin nach England gegangen. Ich fűhlte mich, wie man mein ganzes Leben in Kisten packen, einmal gründlich aufräumen und einfach eine Pause einlegen. Und ich fühlte mich wohl bei Internship-UK, weil ich keine wichtigen Aufgaben hatte und niemand etwas von mir erwartete. Ich musste nur da sein und das machen, was mir gesagt wurde. Nach den ersten drei Wochen meinte eine Praktikantin, die schon ein bisschen länger da war: „Ich verstehe wirklich nicht, warum du nicht Vorgesetzte der Übersetzungsabteilung bist.“ Ich antwortete „Oh, das ist schon in Ordnung. Ich muss nicht immer ein Vorgesetze zu sein!“ Aber es stellte sich heraus, dass sie im Gegensatz zu mir voraussah, was passieren würde. Zwei Monate später wurde ich tatsächlich die Vorgesetzte der Übersetzungsabteilung. Ich übernahm immer mehr Aufgaben: ich führte die neuen Praktikanten in ihre Aufgaben ein, war für ein paar Tage Event Managerin und am Ende sogar House Managerin des Hauses, in dem ich wohnte. Ich war nun eine Person, die man um Rat, meine Meinung oder einfach nur um Hilfe bat. Und ein Praktikant, der noch nicht so lange in New Romney lebte, sagte „Na endlich!“, als ich ihm erzählte, dass ich nun House Managerin war. Noch jemand, der etwas in mir sah…. Ich denke, dass ich mir mit diesem Praktikum nur beweisen wollte, dass ich eine Person bin, die immer irgendwo eine führende Position übernehmen muss. Es scheint, als müssten wir alle uns von Zeit zu Zeit daran erinnern, wer wir wirklich sind!
Ein weiteres Beispiel: Vor meinem Praktikum dachte ich immer, dass ich nicht kochen kann (ich meine: so richtig!), aber hier war ich Küchenchefin und musste mit anderen das Mittagessen für 30 Personen vorbereiten… und den anderen hat das geschmeckt, was ich gekocht habe. Ich war von mir selbst überrascht, genauso wie meine Eltern, als ich es ihnen erzählte. Jetzt weiß ich, dass ich wirklich kochen kann. Es macht mir nur keinen Spaß!
Ich ging wieder ins Fitnessstudio und machte wieder Sport: einige seit langem mal wieder (wie Zumba und Boxen), einige, die ich schon immer mal ausprobieren wollte, für die ich aber nie Zeit hatte (wie Yoga). Mir wurde klar, wie viel ich die letzten Jahren verpasst hatte. Ich habe auch schon geschaut, ob ich mit all diesen Sportarten in meiner Stadt in Deutschland weitermachen kann.
Und ich habe noch etwas über mich gelernt: ich kann meinen Wohnraum mit 15 anderen Personen teilen! Ich habe ein paar Jahre allein gewohnt und war deswegen ein bisschen verwöhnt, bevor ich schließlich vor einem Jahr mit drei anderen Studenten in eine WG zog. Hier in New Romney lebt man mit mindestens 15 anderen Personen zusammen, und nicht nur das. Man wohnt mit den selben Leuten zusammen, mit denen man auch arbeitet, und man verbringt auch seine Freizeit mit ihnen. Manchmal ging mir das gewaltig auf die Nerven, vor allem, weil du dir diese Leute nicht ausgesucht hast und es vielleicht einige gibt, die du nicht so sehr magst. Manchmal fand ich es jedoch toll, diese Leute um mich zu haben und nie allein im Haus zu sein. Und in den sechs Monaten, die ich hier war, habe ich viele Leute kommen und gehen sehen. Unter ihnen waren ein paar wirklich tolle Leute, die ich bewundere und von denen ich viel gelernt habe. Ich habe mich daran gewöhnt, meinen Lebensraum mit anderen zu teilen, und deswegen ist es jetzt auch so schwer, wieder zu gehen. Doch leider muss ich gehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich viel über die Arbeit, über Führungsverhalten, Kommunikation, das Leben an sich, über Leute und schließlich über mich selbst gelernt habe. Ich habe mich an Dinge erinnert, die ich einfach vergessen hatte, weil ich die letzten Jahre viel zu beschäftigt war, um zu erkennen, was ich wirklich will.
Ich weiß jetzt wieder, was ich vom Leben erwarte, mit welchen Leuten ich meine Zeit verbringen will, welche Dinge mir Spaß machen und an welchen Ort ich gehöre. Und so schwer es auch ist: dieser Ort ist nicht New Romney und ich muss jetzt wirklich nach Hause gehen, wo meine Leute und neue Aufgaben auf mich warten!

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